Was haben Bayerische Filmfestivals in der Zeit von Corona geplant?

Corona hat den Kalender der etablierten Filmfestivals gehörig durcheinander gebracht. Jedes Konzept ist eine verzwickte Angelegenheit. Welche Strategie die richtige? Die Kosten für Sowohl-als-auch sind hoch, die Unwägbarkeiten groß. Was wird geplant?

Filmfest München

Wenn die Sommer-Berlinale am 19. Juni zu Ende geht, soll vier Tage später das Filmfest München starten, das sich als zugkräftiges Sommerfestival versteht. Doch sicher ist nichts. Sie habe leider keine Glaskugel, sagt Diana Iljine, die Geschäftsführerin der Internationalen München Filmwochen GmbH: „Wir gehen davon aus, dass die Menschen sich Ende Juni wieder versammeln können. Vielleicht nicht in so großer Zahl, wie dies bei Konzerten üblich ist, aber doch in so großer Zahl, wie dies im Kino üblich ist. Ob die Kinos offen haben, wissen wir noch nicht, deshalb planen wir viel mit Open Air.“

Mit Open-Air-Veranstaltungen hatte man beim Filmfest München im vergangenen Sommer schon bei einer Pop-Up Ausgabe in einem Autokino gute Erfahrungen gemacht. Jetzt blickt man mit Spannung auf die Entwicklung und die Maßgaben der Politik. Der Freistaat Bayern ist zusammen mit der Stadt München der größte Gesellschafter und Geldgeber für das Festival. Eine Verlegung ganz ins Digitale scheitere an der schwierigen Rechtesituation bei vielen Produktionen. Und einer hybriden Form, also halb Kino, halb Online, mit der einige Festivals planen, erteilt Iljine eine Absage: „Hybrid allenfalls insofern, dass wir vielleicht das ein oder andere Event in ein Kino oder weitere Kinos übertragen können, oder dass wir Gäste zuschalten aus Amerika oder Ähnliches. Aber ansonsten wird das Programm als solches nicht online gehen.“

DOK.fest München

Man sei im engen Austausch mit den Gesellschaftern und erfahre viel Rückhalt, betont Daniel Sponsel, der Leiter des DOK.fest München. Das hatte im vergangenen Mai notgedrungen reagiert und sein gesamtes Programm samt Filmgesprächen ins Netz verlegt – mit großem Erfolg, bundesweitem Interesse und beeindruckenden Zugriffszahlen. In diesem Jahr möchte Sponsel gern wieder in die Kinos zurück, wenn es denn geht: „Wenn wir geöffnete Kinos haben und Veranstaltungsorte unter den Hygieneauflagen, wie zum Beispiel im Oktober letzten Jahres, dann werden wir Präsenzveranstaltungen machen. Aber parallel planen wir auch eine Online-Ausgabe, gerade für den Fall, dass dann vor Ort möglicherweise eventuell gar nichts geht“.“ Wesentlich bei der Kulturplanung: Geld – denn die Doppelplanungen kosten. Ende März muss sich das DOK.fest entscheiden, wo investiert wird. Ein Balanceakt. Aber etwas Gutes hat Festivalchef Sponsel auch zu vermelden: „Wir haben einen Zulauf wie noch nie – also deutlich mehr als in den letzten Jahren. Und wir bekommen auch viele sehr hochwertige Einreichungen, auch mit der Ansage: Weltpremiere!“ Gerade die Vertriebe und Verleiher von Dokumentarfilmen wollen mit ihrer Ware eher bald rauskommen und sichtbar sein. Sie befürchten im Sommer und Herbst bei wieder geöffneten Kinos einen Filmstau und Verdrängungswettbewerb der fiktionalen Stoffe und Blockbuster.

Kurzfilmfestival

Im niederbayerischen Landshut beim Kurzfilmfestival grassiert die Angst, erneut auszufallen. Schon dreimal musste das bereits programmierte Festival vom vergangenen März verschoben werden, jetzt soll es Ende April mit den bereits damals eingeladenen Filmen stattfinden. „Wir schieben das Festival quasi vor dem Lockdown her“, sagt Festivalleiter Michael Orth lakonisch, und freut sich, dass die Stadt und das Publikum zu 100 % solidarisch sind. „Also, wir wollen es auf jeden Fall machen, auch als Präsenzfestival. Der letzte Notnagel wäre natürlich, nur online stattfinden zu können, aber wir hoffen inständig, dass die Kinos zu Ostern öffnen dürfen und dass wir unseren jetzt geplanten Termin Ende April/Anfang Mai halten können. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ In einem sind sich alle Filmfestmacher einig: Besucherzahlen spielen keine vordergründige Rolle, es geht schlichtweg darum, einfach stattfinden zu können.

Fazit

Diane Iljine vom Filmfest München: „Ich glaube, alle müssen jetzt loslassen von hohen Besucherzahlen, weil wir durch die mögliche Auslastung von nur 25 Prozent gar nicht so viele Besucher in ein Kino bekommen – und auch nicht in eine Open-Air-Space! Und deswegen denken wir in Reichweite, indem wir mit vielen anderen Kulturinstitutionen kooperieren. Aber die Besucherzahlen werden auf keinen Fall so ausfallen wie vor der Pandemie – auf keinen Fall!“

Martin Lorenz ist det Gründer von kinovent. Er schreibt die Artikel und Moderiert die Social Media wie Facebook und Twitter.