Nippon Connection stellt buntes Kulturprogramm für das diesjährige Filmfestival vor

Nippon Connection stellt buntes Kulturprogramm für das diesjährige Filmfestival vor
© Nippon Connection
© 2021 Nippon Connection

 Das weltgrößte Festival für japanisches Kino wird vom 1. bis 6. Juni 2021 erneut rein online stattfinden. Feine Unterhaltung, Stoff zum Nachdenken, fünf Weltpremieren und mindestens ein Hauch japanische Verrücktheit und Herzlichkeit – das erwartet das Publikum bei den rund 80 aktuellen japanischen Lang- und Kurzfilmen des 21. Nippon Connection Filmfestivals. Alle Filme sind sechs Tage lang deutschlandweit und teilweise auch außerhalb Deutschlands online abspielbar. Persönliche Gespräche mit den Filmemacher*innen werden in den digitalen Raum verlagert und laden dort zum direkten Austausch ein. Für alle, deren Sehnsucht nach Japan größer denn je ist, gibt es zudem Nippon Culture: das digitale Rahmenprogramm mit über 40 interaktiven Workshops, Vorträgen, ungewöhnlichen Performances und Konzerten. Festivalatmosphäre zum Mitnehmen bietet dieses Jahr erstmalig der Nippon Click & Collect Kiosk am angestammten Festivalzentrum im Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt am Main. Auf NipponConnectionShop.de können japanische Snacks, Getränke, Filmposter, Festival-Goodies und mehr bestellt und dann während des Festivals im Mousonturm abgeholt werden.

Über das Festival

Das Japanische Filmfestival Nippon Connection wird vom 70-köpfigen, größtenteils ehrenamtlichen Team des gemeinnützigen Vereins Nippon Connection e.V. organisiert. Es steht unter der Schirmherrschaft von Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Peter Feldmann, Oberbürgermeister von Frankfurt am Main, und vom Generalkonsulat von Japan in Frankfurt am Main. Nippon Connection zählt zu den besucherstärksten Filmfestivals in Hessen. Aktuell läuft eine Spendenkampagne auf der Online-Plattform betterplace.org für das diesjährige Festival: betterplace.org/de/projects/88584

Zahlreiche Premieren und Themenschwerpunkte

Der Großteil der Filme erlebt beim 21. Nippon Connection Filmfestival seine Deutschland-, Europa-, internationale oder Weltpremiere. Von Familiendramen über Musical-Komödien bis hin zu sozialkritischen Dokumentarfilmen und Independent-Animationsfilmen ist das Programm ein vielfältiges Panorama des japanischen Gegenwartskinos. 

Große Namen sind dieses Jahr in der Sektion Nippon Cinema vertreten. Miwa Nishikawa, eine der wichtigsten zeitgenössischen Regisseurinnen Japans, präsentiert das Drama Under The Open Sky mit Nippon Honor Award-Preisträger Koji Yakusho in der Hauptrolle. The Promised Land von Takahisa Zeze ist ein raffiniert erzähltes Mystery-Drama über das eskalierende Beziehungsgeflecht in einem Dorf. Im Thriller A Girl Missing des international ausgezeichneten Koji Fukada gerät eine Krankenschwester in eine mediale Hetzjagd. My Blood And Bones In A Flowing Galaxy von SABU ist ein blutig-romantischer Thriller um eine bedrohte junge Liebe. Shinichiro Ueda, Regisseur des Kulthits One Cut Of The Dead, ist mit der wendungsreichen Sekten-Komödie Special Actors vertreten.

Der Themenschwerpunkt Family Matters – Die japanische Familie zwischen Tradition und Moderne, gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, beschäftigt sich mit alten und neuen Familienentwürfen. Das Romantik-Drama his von Rikiya Imaizumi spielt mit Geschlechternormen und konträren Ideen von Elternschaft. Gnadenlos rechnet Masahide Ichii in seiner Tragikomödie The Stormy Family mit der Institution Familie ab. In Kazuya Shiraishis klug konstruiertem Drama One Night ermordet eine Mutter den gewalttätigen Ehemann und kehrt nach Haft und Untertauchen fünfzehn Jahre später zurück zu ihrer Familie. Hajime Tsuda webt in seinem Debütfilm Daughters ein Erinnerungskaleidoskop um zwei Freundinnen und ein Baby. Tatsuya Yamamoto hat mit Nosari: Impermanent Eternity ein nachdenkliches Drama über einen Kleinkriminellen geschaffen, der bei einem Betrugsversuch unerwartet eine Ersatzfamilie findet. yes, yes, yes von Akihiko Yano ist ein dichtes Kammerspiel um den Tod und die Kraft des Weiterlebens. Ergänzend zum vielseitigen Filmprogramm beschäftigen sich die Filmwissenschaftlerinnen Chantal Bertalanffy und Claudia Bertolé in ihren Online-Vorträgen mit Familienbildern im japanischen Kino.

Zehn Jahre nach der verheerenden Dreifachkatastrophe im Nordosten Japans am 11. März 2011 sind die Auswirkungen in der japanischen Gesellschaft weiter deutlich spürbar. Kaizo Hayashis Film Bolt erzählt vom vergeblichen Versuch des Menschen im Monstrum Kernkraftwerk, die radioaktive Katastrophe zu verhindern – und wie es danach in der Evakuierungszone und den Seelen der Menschen weitergeht.Im Road-Movie Voices In The Wind von Nobuhiro Suwa findet ein Mädchen, das beim Tsunami ihre Eltern verloren hat, durch eine Reihe von unerwarteten Begegnungen ihren Lebensmut wieder. Eine von Prof. Dr. Steffi Richter (Universität Leipzig) moderierte Podiumsdiskussion betrachtet die aktuelle Situation in der Katastrophenregion aus verschiedenen Perspektiven.

Turbulente Filmdrehs im Film und selbstkritische Blicke auf das eigene Metier ziehen sich wie ein roter Faden durch das diesjährige Programm. Die Ensemble-Komödie Red Post On Escher Street von Starregisseur Sion Sono ist eine Achterbahnfahrt durch die Untiefen des Film-Business. Kiyoshi Kurosawas poetische Erkundung To The Ends Of The Earth folgt einer jungen Fernsehreporterin nach Usbekistan. Der Dokumentarfilm Sayonara TV von Koji Hijikata liefert einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen der japanischen Medienlandschaft und spielt mit den Erwartungen des Publikums. Im Episodenfilm Kamata Prelude liefern die Regisseur*innen Ryutaro Nakagawa, Mayu Akiyama, Yuka Yasukawa und Hirobumi Watanabe einen vielschichtigen Kommentar zur Situation junger Schauspielerinnen in Japan. Die Feelgood-Komödie It’s A Summer Film! von Soshi Matsumoto bezaubert mit einer großartigen Protagonistin, die als Highschool-Regisseurin am Dreh ihres ersten Samurai-Epos verzweifelt.

In der Sektion Nippon Docs wird die Weltpremiere des neuen Dokumentarfilms Ushiku von Thomas Ash zu sehen sein, gefilmt mit versteckter Kamera im gleichnamigen Abschiebegefängnis bei Tokio. Drastische Bilder und Worte zeigen einen der größten menschenrechtlichen Skandale des Landes auf, der von der dortigen Politik systematisch totgeschwiegen wird. Der amerikanische Regisseur, der seit vielen Jahren in Japan lebt, wurde für seine Filme bereits mehrfach ausgezeichnet. Ebenfalls als Weltpremiere zu sehen ist Ainu Neno An Ainu vom Künstler*innen-Kollektiv Lunch Bee House über die indigene Ainu-Bevölkerung im Norden Japans. In I Quit, Being “Friends” steht die Freundschaft der gehörlosen Filmemacherin Ayako Imamura zur vom Asperger-Syndrom betroffenen Ma-chan im Mittelpunkt und führt zur Frage, wie Menschen überhaupt miteinander kommunizieren können.

Im Jahr der Olympischen Sommerspiele in Tokio befassen sich gleich drei Dokumentarfilme bei Nippon Connection mit der Welt des Sports. Um ein japanweit mit Leidenschaft verfolgtes Highschool-Baseball-Turnier dreht sich Koshien: Japan’s Field Of Dreams von Ema Ryan Yamazaki. Eiji Sakata ist es mit SUMODO ~The Successors Of Samurai~ gelungen, einen seltenen Blick auf das harte Training und Alltagsleben von Sumo-Ringkämpfern zu werfen. Filmemacher Julien Faraut trifft im packenden Doku-Essay The Witches Of The Orient auf Spielerinnen des legendären japanischen Volleyball-Teams, das Mitte der 1960er den Weltmeistertitel und olympisches Gold holte. 

Raum für den Nachwuchs und Experimente bietet die Sektion Nippon Visions. Neben Kurzfilmen von jungen Filmemacher*innen dürfen hier auch skurrile Filmschöpfungen nicht fehlen: Ein Sci-Fi-Genre-Mix-Juwel um stimulierende Oktopus-Aliens ist der wortkarge, in Schwarzweiß stilisierte Extraneous Matter-Complete Edition von Kenichi Ugana, der als Weltpremiere gezeigt wird.

Die prekäre Situation von Arbeitsmigrant*innen sowie Rassismus und Sexismus in der japanischen Gesellschaft spiegeln sich bei Nippon Visions ebenfalls wieder. Die harsche, von Ausbeutung und Ohnmacht geprägte Realität dreier junger Frauen aus Vietnam inszeniert Akio Fujimoto in Along The Sea. Die traurige Satire Project Tanuki von Yu Hsin Chiueh handelt von einer Droge, die einen endlich rundum „japanisch“ wirken und den Alltag überstehen lässt. Company Retreat von Atsushi Funahashi ergänzt die aktuelle Debatte über sexuelle Belästigung, Machtmissbrauch und die Rolle der Medien um eine vielschichtige japanische Perspektive. 

Japanische Animationsfilme sind weltweit beliebt und dürfen natürlich auch beim Nippon Connection Festival nicht fehlen. Die diesjährige Auswahl präsentiert ein vielfältiges stilistisches und thematisches Spektrum der Animationskunst. Takashi Yamazakis 3D-CGI-Abenteuer Lupin III: The First gibt der beliebten Lupin-Serie ein actionreiches Hochglanz-Update. Der international gefeierte Independent-Film ON-GAKU: Our Sound wurde dagegen von Film-Neuling Kenji Iwaisawa im Rotoskopie-Verfahren nahezu im Alleingang gestaltet. Eine starke Geschichte von Jugend und Freundschaft erzählt der im klassisch-farbenprächtigen Stil gehaltene Seven Days War von Yuta Murano. Zwei Animations-Kurzfilmprogramme zeigen darüber hinaus die Welt aus den Augen junger Künstler*innen.

Sehnsucht nach Japan? Hier kommt Nippon Culture!

Mit über 40 Workshops, Vorträgen, Konzerten und Performances ist Nippon Connection mehr als ein reines Filmfestival. Die Veranstaltungen in der Sektion Nippon Culture halten zahlreiche Highlights bereit und sind weltweit online verfügbar. Die Events finden über Zoom und als Livestream statt. Alle Informationen und Links zur Anmeldung finden sich ab dem 22. Mai auf der Website NipponConnection.com.

Aus kaum mehr als Licht, Schatten und Körpern schafft das japanische Handschattentheater Kakashiza aus Yokohama schillernde und humorvolle Geschichten. Alle, die es nach der Performance der international renommierten Theatergruppe nicht mehr auf dem Sitz hält, können im Schattentheater-Workshop selbst erste Schattenfiguren von den Profis lernen. Zwei Konzerte locken mit innovativen und mitreißenden Klängen aus Japan: Nach dem Überraschungserfolg 2020 wird das Duo jujumo dieses Jahr mit Gitarre und Gesang live bei Sonnenuntergang am Strand von Japans südlichster Insel Okinawa auftreten. Das Ensemble Hogaku 2.0 kombiniert den Sound der traditionellen japanischen Instrumente Shakuhachi, Tsugaru-Shamisen und Koto mit den jazzigen Klängen einer Akustikgitarre.

Interaktive Japanisch-Kurse sowie Vorträge zur japanischen Etikette und zur interkulturellen Kommunikation laden dazu ein, die Sprache und Kommunikationskultur Japans zu entdecken. Mitmachen und (aus-)probieren heißt es in zwei Manga-Zeichenkursen, mehreren Kochkursen, einer Sake-Verkostung sowie exquisiten Gin- und Spirituosen-Tastings. 

Der Nippon Online Market auf der Festival-Webseite lädt zum virtuellen Schlendern, Stöbern und Entdecken ein. Ausgewählte Anbieter präsentieren japanische Köstlichkeiten, eine besondere Musik- und Buchauswahl sowie Kleidung, handgemachte Souvenirs und mehr.

Komplettes Programm und Tickets

Martin Lorenz ist det Gründer von kinovent. Er schreibt die Artikel und Moderiert die Social Media wie Facebook und Twitter.