Jüdisches Filmfestival mit neuer Leitung und neuen Wettbewerb

Jüdisches Filmfestival mit neuer Leitung und neuen Wettbewerb

Die 27. Ausgabe des Jüdischen Filmfestival Berlin und Brandenburg (JFBB) findet vom 12. bis 22. August und unter der Führung neuer Veranstalter statt. Bis zu ihrem Abschied in den Ruhestand Ende des vergangenen Jahres
hat Nicola Galliner, Gründerin und langjährige Leiterin, das JFBB zum größten jüdischen Filmfestival in Deutschland aufgebaut. Unter der Führung der neuen Veranstalter Doreen Goethe und Andreas Stein, aus deren „Werkstatt“ Brandenburger Kultur-Highlights wie das weltweit renommierte FilmFestival Cottbus, die Nacht der Kreativen Köpfe oder das Gartenfestival Park und Schloss Branitz stammen, soll die Erfolgsgeschichte des Filmfestivals fortgeschrieben werden.

„Jüdisches Leben in Farbe. Wir feiern das Spektrum jüdischer Identitäten im Kino: Verschiedene Genres, junge Talente und diverse Blickwinkel aus der nicht geheimen Welt. Wir diskutieren, was jüdische Sichtbarkeit auf der Leinwand bedeutet“, umschreibt Arkadij Khaet die diesjährige JFBB-Auswahl. „Unser Programm ist wie eine gute Massage. Da wo es wehtut, muss man besonders feste draufdrücken. Yalla, ab ins Kino, wir servieren gefillte Filme zum Verzehr.“
Das JFBB erkundet und reflektiert mit 45 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen sowie High End-Serien jüdische Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

SHIVA BABY eröffnet das JFBB

„SHIVA BABY zeigt, dass es manchmal eine sehr gute Idee sein kann, aus einem Kurzfilm noch einen Langspielfilm zu machen und Ideen auszuarbeiten. Die Shiva, die Trauerfeier, ist hier das lustvoll ausgespielte Setting für eine Komödie, deren Komik mit einiger Beklemmung und Klaustrophobie daherkommt“, beschreibt Lea Wohl von Haselberg aus
dem neuen JFBB-Programmkollektiv. „SHIVA BABY ist der perfekte JFBB-Eröffnungsfilm. Er zeigt, wie viel unterschiedliche Töne in ein und demselben Film möglich sind – eine Diversität der Tonalitäten, Farben und Figuren, die sich durch das ganze Festivalprogramm ziehen wird.“

Starke Persönlichkeiten und wichtige Themen – Der neue
Dokumentarfilm-Wettbewerb des JFBB


Acht Werke konkurrieren um den frisch ins Leben gerufenen Gershon-Klein Dokumentarfilmpreis des JFBB. Sechs der nominierten Dokumentarfilme feiern beim JFBB ihre Deutschland-Premieren, mit IRMI und SCHOCKEN zwei Dokus sogar ihre Europa-Premieren. „Die Beiträge des Dokumentarfilmwettbewerbs erfassen Geschichte und
Gegenwart auf jeweils ganz eigene Weise. Sie diskutieren Standpunkte und Blickwinkel mit all ihren Zwischentönen, mal subtil, mal kontemplativ, mal auf beste Weise streitbar. Für die Filmschaffenden, ihre Protagonistinnen und Protagonisten ist das mitunter schmerzhaft, gerade wenn scheinbar einfache Wahrheiten immer wieder in Frage gestellt werden. Auch wenn es um Geschichte und Geschichten geht, die leider immer wieder auf neue Weise
verdrängt werden“, sagt JFBB-Programmdirektor Bernd Buder. „Alle Filme bestechen durch ihre visuelle, dramaturgische und investigative Kreativität. Es sind im besten Sinne filmische Reflexionen, die ihr Publikum in den Bann ziehen und Lust darauf machen, sich mit der ganzen Komplexität der condition humaine zu beschäftigen.“

JURY

Wer den neuen Gershon-Klein-Dokumentarfilmpreis erhält, darüber entscheidet eine dreiköpfige Jury, bestehend aus der Amerikanerin Lisa Rivo, Co-Direktorin des in den USA beheimateten Nationalen Zentrums für Jüdischen Film, der Polin Magda Makarczuk Strehlau, Direktorin des Jewish Film Festival Warsaw und stellvertretende Direktorin des Los Angeles Jewish Film Festivals sowie dem israelischen Filmeditor, Dramaturg und Drehbuchautor Amos Ponger (u.a. BIL’IN MY LOVE und FREE FLOW). Der mit 3.000 Euro dotierte Gershon-Klein-Dokumentarfilmpreis wird von
Familie Klein gestiftet, die mit der Auszeichnung an die 1999 im Alter von 79 Jahren verstorbene Kinolegende Gershon (Gerhard) Klein erinnert.

Martin Lorenz ist det Gründer von kinovent. Er schreibt die Artikel und Moderiert die Social Media wie Facebook und Twitter.